Wissen - Reanimationsrichtlinien 2015

Am 15. Oktober 2015 wurden die neuen Guidelines zur kardiopulmonalen Reanimation von der American Heart Association (AHA) und vom European Resuscitation Council (ERC) veröffentlicht. Diese lösen nach fünf Jahren turnusgemäss die Version aus dem Jahr 2010 ab.

Reanimationsrichtlinien 2015 BLS-AED deutsch (Guidelines 2015)

Reanimationsrichtlinien 2015 BLS-AED englisch (Guidelines 2015)

 

 

Häufig gestellte Fragen zu Herz-Kreislauf-Stillstand und BLS/AED

Plötzlicher Herztod - Wie lässt sich vorbeugen?
In der Schweiz erleiden jährlich etwa 8’000 Personen einen Herz-Kreislauf-Stillstand. Ein solches Ereignis trifft immer wieder auch jüngere Menschen.

Der plötzliche Herztod trifft nicht nur Sportler. Gefährdet sind vor allem über 50-Jährige. Aber der stille Herztod auf dem Sofa kann auch junge Menschen treffen.

Im Notfall darf man keine Zeit verlieren. Sofort den Notruf 144 alarmieren und reanimieren, das kann das Leben retten. Die Ursachen sind neben angeborenen Herzfehlern vielfältig: Eine koronare Herzkrankheit mit Kammerflimmern oder eine Herzmuskelentzündung kann verantwortlich sein. Diese wird nicht selten durch Viren ausgelöst.

Deshalb raten Ärzte, eine Grippe immer auszukurieren. Auch mit dem Sport sollte man warten, bis man wieder völlig gesund ist. Liegt ein Verdacht auf eine Herzmuskelentzündung vor, dann gibt eine Untersuchung mit der Magnetresonanztomographie Aufschluss über das individuelle Risiko.

 



Quelle: DasErste.de, mittags | magazin

 

Wie sind die Überlebenschancen?
Der akute Herz-Kreislauf-Stillstand ausserhalb des Spitals ist ein Ereignis mit schlechter Prognose. Die wenigsten Patienten können durch die Rettungsdienste rechtzeitig, innerhalb der kritischen Frist von 3 bis 5 Minuten nach Eintreten eines Herz-Kreislauf-Stillstands, erreicht werden. In der Regel vergeht bis zur Alarmierung (in der Schweiz Nummer 144) bereits zu viel Zeit. Mit jeder verlorenen Minute sinkt die Chance zu überleben um 7 bis 10 Prozent. 

In der Schweiz überleben weniger als 5 Prozent der betroffenen Personen einen Herz-Kreislauf-Stillstand. Durch sofortige Wiederbelebung mit BLS (Basic Life Support) und AED (automatischer externer Defibrillator) könnten wesentlich mehr Menschen überleben.

Braucht es einen Defibrillator für die Wiederbelebung?
Bei vier von fünf Menschen wird der Herz-Kreislauf-Stillstand durch Kammerflimmern ausgelöst. Diese plötzlich auftretende Rhythmusstörung kommt einem elektrischen Gewitter gleich und bewirkt, dass das Herz  keine Pumpleistung mehr erbringt. Mit Basic Life Support, also der Herz-Lungen-Wiederbelebung wird das Herz in seiner Funktion gestärkt. Mit der Defibrillation kann der Herzschlag durch einen elektrischen Schock wieder normalisiert werden. In den allermeisten Fällen bedingen sich somit BLS und Defibrillation gegenseitig: Herzdruckmassage und Beatmung bis ein AED zur Stelle ist und wiederum BLS nach der elektrischen Schockabgabe durch den Defibrillator.

Wie funktioniert ein automatisierter externer Defibrillator (AED)?
Automatisierte externe Defibrillatoren (AED) wiegen um die 500 Gramm und entsprechen etwa einer mittelgrossen Handtasche. Miniaturisierte Geräte haben sogar in der Jackentasche Platz. Da sie nach dem Einschalten gesprochene (und schriftliche) Anweisungen geben, können sie nach einer entsprechenden Schulung auch von Laien einfach bedient werden:
1. Einschalten des Geräts.
2. Anbringen der Elektroden an der Brust des/der Betroffenen. Jetzt führt das Gerät selbständig eine
    Analyse des Herzrhythmus durch. Nur wenn ein potentiell tödliches Kammerflimmern vorliegt,
    erteilt das Gerät die Aufforderung zum Auslösen des Elektroschocks.
3. Drücken des Knopfs zum Auslösen eines Elektroschocks.

Wo sind AEDs empfehlenswert?
In der Schweiz gibt es keine offiziellen Vorschriften oder Regeln, was die Standorte und die Anschaffung von AEDs betrifft. reaplus gibt zu bedenken, dass es nicht ausreicht, einen AED irgendwo zu «haben». Dies könnte ein Gefühl falscher Sicherheit fördern. Vielmehr müssen in BLS und AED geschulte Personen (auch medizinische Laien) in der Nähe sein. Erfahrungen haben gezeigt, dass die Hemmungen, das Gerät zu öffnen und zu bedienen, grösser sind als etwa bei einem Feuerlöscher.

 Empfehlenswert sind solche Geräte an Standorten mit grosser Publikumsfrequenz wie z.B. in Bahnhöfen, Flughäfen, Sportstadien, Sport- und Fitnessclubs, Einkaufszentren, grossen Konzertsälen etc. sowie in Betrieben und Institutionen aller Art. reaplus fördert die Schulung von Ersthelfern, die in ihrem Umfeld wirksame Hilfe bei Herz- und Hirn-Notfällen leisten können.

Was passiert, wenn falsch reanimiert wird?
Alles ist besser als nichts tun! Wichtig ist in jedem Fall die sofortige Alarmierung der Notrufnummer 144 und der unverzügliche Beginn der Herz-Lungen-Wiederbelebung (BLS). Sobald ein AED zur Verfügung steht, kann den sprachlichen Anweisungen des Gerätes gefolgt werden. Die Abgabe des Elektroschocks wird nur dann möglich sein, wenn der AED bei der vorangegangenen Analyse ein Kammerflimmern festgestellt hat.